Kulinarik und Fotografie: Du bist, was du isst.

 

Du bist, was du isst. collage-2

Das Medium „Kulinarik“ eignet sich aus verschiedenen Gründen  besonders gut für eine Projektarbeit.

Zunächst einmal ist das Thema „Essen“ jedem Menschen täglich präsent und spielt im Alltag eine wichtige Rolle, weil wir uns nun einmal regelmäßig ernähren müssen. Wie viel Aufmerksamkeit diesem Thema gewidmet wird ist noch mal eine Frage der persönlichen Interessenverteilung – so legt der eine ganz besonders großen Wert auf frische und gesunde Ernährung, der andere wiederum ernährt sich hauptsächlich von Fast Food und legt auf die Qualität seiner Nahrung keinen besonderen Wert. Ganz unabhängig davon, welchen Stellenwert die Ernährung im Leben eines jeden einzelnen einnimmt, so ist Essen doch jeden zugänglich und wird von jedem genutzt. Dies ist im Bezug auf Projektarbeiten von besonderer Wichtigkeit, da Essens eigentlich omnipräsent ist.

Darüber hinaus ist das Zubereitung und der Verzehr von Essen meist ein gemeinschaftlicher Akt, der das Zusammengehörigkeitsgefühl einer Gruppe entstehen lassen und stärken kann.
Während man kocht und isst, ist man außerdem sehr im Moment verankert und arbeitet mit vielen Sinnen gleichzeitig. Man sieht und spürt die Nahrungsmittel bei der Zubereitung, man riecht und hört sie und man schmeckt sie, wenn man sie verzehrt.

Die Kulinarik durchzieht unglaublich viele Lebensbereiche und -themen, die man in einer Projektarbeit behandeln könnte, sodass die Wahrscheinlichkeit, dass jeder der Teilnehmer ein Thema findet, dass ihn oder sie interessiert sehr groß ist: seien es politische Aspekte, wie sozialstaatliche Überversorgung, Industrialisierung, Hungersnöte. Auch kulturelle Dimensionen, wie Rituale bestimmter Kulturen, oder sogar innerhalb unterschiedlicher Familien, die Vermittlung von Normen und Werten bei Tisch, oder Veganismus und Vegetarismus, künstlerische Aspekte, wie Food-Design oder der Umgang mit Essen in den Medien, spielen eine große Rolle. Man kann sich hier dem Bewusstsein für Essen und Gesundheit widmen, der Überflussgesellschaft in der wir selbst Leben oder Gewohnheiten und Situationen in anderen Ländern, dem Fast-Food, der Massentierhaltung oder Essstörungen.
Und nicht nur das Thema der Nahrung, sondern auch die Lebensmittel selber sind unglaublich vielseitig und so unterschiedlich, dass man sich auch lediglich auf Farben oder Formen von Lebensmitteln beschränken könnte und sich dem Thema so künstlerisch nähern könnte.
Unter Berücksichtigung all dieser Aspekte, denke ich, dass die Kulinarik vielseitig und spannend ist und viele Gestaltungs- und Entdeckungsmöglichkeiten bereit hält.

Diese Portrait-Serie nähert sich dem Thema der Kulinarik auf ganz eigene Weise an. Sie versucht nicht nur das, was ein Portrait im Allgemeinen ist, nämlich „ein Bildnis mit der Darstellung der individuellen Züge eines bestimmten Menschen“, sondern darüber hinaus auch die Darstellung der individuellen kulinarischen Vorlieben und der jeweiligen Beziehung zum Essen, darzustellen.

Die Bildgestaltung sollte relativ schlicht, im Sinne von „straight“, sein : ein heller Hintergrund, davor die Portraitierten mit ihrem jeweiligen Lieblingsessen – selber Bildausschnitt, selber Bildaufbau. Die Unterscheidung in dieser Serie sollten nur die Gesichter und das Essen sein, alle anderen gestalterischen Komponenten sollten weitestgehend gleich sein – so sollte der seriellen Charakter verstärkt werden.

Durch die Wahl des 6×6-Formats fiel die Möglichkeit im Bild einen goldenen Schnitt anzuwenden weg. Der Blick wird bei diesen Portraits nicht erst ins Bild eingeleitet, wie man es bei querformatigen Bildern gerne tut, den Blick also in Leserichtung eines Bildes von links ins Bild einführen und nach rechts ausschweifen lassen, sondern fällt direkt in die Mitte des Bildes, direkt ins Gesicht des Portraitierten. Die Gestaltung ist sehr klar, ohne Ablenkung oder andere Feinheiten, keine Unschärfe, keine Vignette, kurz: nichts, was von dem Gesicht und der Verbindung mit dem Essen ablenken könnte.

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