Jugendliche und das Thema „Schönheit in den Medien“

In der JIM-Studie aus dem Jahre 2011 wurden Jugendliche im Alter von 12-19 Jahren zu Castingshows befragt. 65% aller Jugendlichen, die angaben dass ihre Lieblingssendungen Castingshows seien, waren Mädchen, die Mehrheit der Mädchen gab dabei die Sendung „Germany’s Next Topmodel“ als ihren Favoriten unter den Castingshows an. In einer weiteren Befragung zu ihren Idolen, gaben die meisten Mädchen, besonders im Alter von 13 – 16 Jahren Heidi Klum als ihr liebstes Medien-Idol an.

In der Pubertät, als eine Zeit in der sich die eigene Persönlichkeit, aber besonders auch der eigene Körper entwickelt und verändert, scheint das Thema „Schönheit und Aussehen“ besonders für junge Mädchen von herausragender Relevanz zu sein.

„Mädchen in der Pubertät werden sich ihres weiblichen Körpers bewusst, weil die Körperformen sich verändern“, sagt die Sozialarbeiterin Liliane Schafiyha in ihrem Buch „Fotopädagogik und Fototherapie“. Durch die Bewusstwerdung der eigenen Körpers und des eigenen Geschlechts folgen eine Reihe von geschlechtsspezifischen Sozialisationsprozessen im Leben der Jugendlichen.

Hier wurden die acht Entwicklungsaufgaben nach Dreher/ Dreher vorgestellt. Die dritte dieser Entwicklungsaufgaben ist das Akzeptieren der eigenen körperlichen Erscheinung und die effektive Nutzung des Körpers.

Besonders für Mädchen komme es in dieser Phase sehr häufig zu „Verunsicherung durch bestehende Normierung des weiblichen Körpers“. (Schafiyha, S.114)

Tatsächlich begegnem einem im Alltag ständig Werbebotschaften, die einem suggerieren, man sei noch nicht schön genug. Seien es Hautcremes, die die Falten reduzieren sollen, Make-up, dass unseren Teint ebenmäßiger machen soll, oder Lippenstift, der unsere Lippen voller mache – das Thema Schönheit scheint einen als Mädchen und Frau und zunehmend auch als Mann, ständig zu begleiten.

Auch in anderen Medien begenet einem das Thema Schönheit immer öfter. Serien wie „Germanys next Topmodel“, „The Swan – endlich schön“, oder „Beauty Queen“ erfreuen sich großer Beliebtheit.

Individualität begegnet einem dabei allerdings kaum.

„Das rigide Schönheitsideal lässt keinen Raum für die Individualität weiblicher Körper. Gleich einer DIN-Norm für Frauenschönheit, postuliert es Frauenschablonen, die einander zum verwechseln ähnlich sind.“ (Deuser, 1995, S.35)

Dass diesen Idealen nicht alle gleichermaßen entsprechen ist nur natürlich, es fragt sich aber, wie junge Mädchen diese Abweichungen von dem Ideal bewerten, grade in der von Unsicherheiten geprägten Zeit der Pubertät.

Die Ambivalenz dem öffentlich postuliertem Ideal von weiblicher und zunehmend auch männlicher Schönheit entsprechen zu wollen und dem Wunsch den eigenen Körper als positiv zu bewerten, was grundlegend zur Entwicklung eines positiven Selbstbildes und dem damit einhergehenden Selbstwertgefühl beiträgt, kann bei vielen Jugendlichen Unsicherheit und Selbstzweifel verursachen (Vgl. Liliane Schafiyha).

„Da (besonders) für Frauen das Aussehen von so zentraler Bedeutung ist, stellt es gleichzeitig die stärkste Bedrohung ihrer Identität dar, denn ihr Körperbild ist in der Vorstellung vieler Frauen völlig verzerrt. Ein inadäquates, negativ verzerrtes Bild des eigenen Körpers ist bei Frauen die Regel und nicht die Ausnahme.“ (Deuser 1995, S. 103 ff.)

Ganz besonders auffällig ist die Konzentration auf das eigene Körpergewicht.

70 % der Mädchen zwischen 10 und 18 Jahren mit normalem Körpergewicht wollen abnehmen oder sind bereits auf Diät1 und 90% der Mädchen und jungen Frauen auf fortführenden Schulen machen regelmäßig eine Diät.Tatsächlich liegen jedoch nur 10-15 % über dem Normalgewicht2.

Ich habe mir die Frage gestellt, inwiefern diese Phänomene mit dem massenhaften Vorkommen von Schönheitsidealen in der Werbung zusammenhängt. Auch die Anwendung von plastischer Chirurgie, den sogenannten Schönheitsoperationen, scheint, besonders unter jüngeren Menschen zu zu nehmen. Sie wird sogar zunehmend in den Medien thematisiert und drastisch verharmlost. Der Körper wird hier zu einer beliebig formbaren und wandelbaren Masse, zu etwas, das wie ein Fahrzeug o.ä. hier und da stetig etwas aufgebessert werden könne.

Diese Vorher-Nachher-Shows oder Make-Over-Shows finden auch in Deutschland immer mehr Anklang. Nicht nur besorgte Eltern fragen sich aber, welchen Einfluss Serien wie „The Swan – endlich schön“ (ProSieben), „Beauty Queen“ (RTL) oder „Alles ist möglich“ (RTL) auf Jugendliche haben, sondern in Folge dessen auch die Vertreter der Landesmedienanstalten der Bundesrepublik Deutschland. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) ist für Prüfung von Programmbeschwerden oder rechtlich problematischen Inhalten verantwortlich. Auch der Schutz der Menschenwürde im Rundfunk und in den Telemedien (Internet) fällt unter die Aufgaben der KJM.

Im Laufe einer intensiven Phase von Diskussionen über solche Fernsehshows hat die KJM am 20.7.2004 in ihrem Grundsatzbeschluss festgelegt: „TV-Formate, in denen Schönheitsoperationen zu Unterhaltungszwecken angeregt, durchgeführt und begleitet werden, dürfen grundsätzlich nicht vor 23:00 Uhr gezeigt werden. Diesem Beschluss liegt die Bewertung zugrunde, dass solche Sendungen Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung beeinträchtigen können.“3

Ich bin der Meinung, dass eine solche Entwicklungsbeeinträchtigung nicht nur durch das Thematisieren von Schönheitsoperationen bewirkt werden kann, sondern auch durch die verfälschte Darstellung von Schönheit im öffentlichen Raum, zum Beispiel auf Werbeplakaten, auf denen die Zähne der Modelle weisser sind und die Haut glatter ist, als es in der Realität je möglich wäre.

Die Fälle in denen Werbeanzeigen wegen Kundentäuschung verboten wurden, wie zum Beispiel im Fall einer Werbeanzeige der Kosmetikfirma Lancome, die die Aufnahme der Schauspielerin Julia Roberts derart retuschierte, dass nicht eine einzige Unebenheit in ihrem über 40-jährigen Gesicht zu erkennen war, sind meiner Meinung nach viel zu selten.

1Vgl. Ferron, C., „Body Image in adolescence in cross-cultural research“ In: Adolescence 32 (1997), S. 735-745.

2http://www.gewichtsdiskriminierung.de/koerperbildworkshop.html, aus dem Internet entnommen am 18.02.2013, um 15.40 Uhr

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