„Ich bin viele !“ – Fotopädagogische Projektarbeit –

Bildschirmfoto 2016-03-16 um 18.46.34„Ich bin viele !“

– Fotopädagogische Projektarbeit –

Prämisse:

„Ein fotografisches Portrait ist einem auf Fotopapier gebanntem Spiegelbild gleich, was als Grundlage zur Auseinandersetzung mit der eigenen Person dienen kann. Man kann die eigene Person einer kritischen Betrachtung unterziehen, man kann Meinungen und Ansichten unterschiedlicher Menschen zu der eigenen Person anhand eines Fotos besprechen. Man kann sein eigenes Selbstwertgefühl oder die eigene und Fremdeinschätzung des eigenen Aussehens überprüfen. Darüber hinaus kann man sich in einem geschützten Rahmen, in unterschiedlichen Rollen erfahren und ausprobieren.“

Ziel:

Der eigene Körper wird umgestaltet, es wird erforscht was oder wer man sein könnte, in welche Rollen man schlüpfen kann, welche Persönlichkeitsanteile in einem stecken, wie man sich selbst und wie andere einen wahrnehmen, es wird Selbstidentifkation geübt, die Gestaltbarkeit des eigenen Selbst wird einem bewusst gemacht

Umsetzung:

1) Anfertigung verschiedener „Rollen“-Portraits der selben Person, z.B. als Schüchterne/r, Mutige/r, Romantische/r, Coole/r, als Mann/Frau, „typisch“ weiblich oder männlich, als Held, als Star, als Astronaut, als Ärztin, etc.

2) gemeinsame Besprechung dieser Portraits:

„Wie gefalle ich mir am besten?“ „Entspreche ich einer bestimmten Rollenverteilung?“

„Was sind typische Rollen in unserer Gesellschaft und was haben diese Rollen mit mir zu tun?“

„Wie würde ich gerne auf andere wirken?“

„Wie schätze ich meine eigene Außenwirkung ein?“

„Wie schätzen andere meine Außenwirkung ein?“ uvm.

3) Reflexion

Hintergründe:

  • –  „ein Kind kann sich ab dem 6.Monat selbst im Spiegel erkennen“
  • –  „Das Subjekt verstellt sich beim eigenen Anblick (im Spiegel) und bekommt das zu sehen,was es zu sehen wünscht.“
  • –  „Ein Foto halt (…) das Spiegelbild in seiner Erstarrung fest. (…) Mit der Fotografie wird das Spiegelbild von der Erscheinung ablösbar und transportabel.“
  • –  „Die Auseinandersetzung mit diesem Spiegelbild/dieser Fotografie kann als Grundlage dazu dienen, die eigene Person einer kritischen Prüfung zu unterziehen.“ – „das Verhalten während des Fotografierens kann Aufschluss über die Selbstbeurteilung eines Menschen geben“
    – „Blick in den Spiegel ist dabei nicht nur als Eigenliebe, sondern häufig aus als Suche nach Mangeln bei negativem Selbstbild zu verstehen“

Bei der Betrachtung der eigenen Portraits kann eine Auseinandersetzung mit:

-der eigenen Biographie
-der eigenen Selbstdarstellung
-der psychischen und physischen Verfassung                                                                                -geschlechtlichen Rollenzuschreibungen                                                                                       -eigenem Rollenverhalten und dessen Außenwirkung

erfolgen.

Besonderheiten verschiedener Zielgruppen:

Kinder:

-können schon im vorsprachlichen Alter mit Bildern umgehen

-sind schon ab 6 Jahren offizielle Zielgruppe der Medienindustrie -haben meist noch kein besonders ausgeprägtes Wertsystem

(sind oft unbefangener und offener in der Arbeit mit Fotos)
-spielerischer Umgang mit der Fotografie, unreflektierter, kaum ergebnisorientiert

Jugendliche:

-häufge Visualisierung von geschlechts- und alterstypischen Verhaltensweisen

(Fotografie kann hier genutzt werden, um diese Verhaltensweisen aufzuzeigen und zu reflektieren)

-dabei ist die technische Komponente der Fotografie häufig von besonderem Interesse für die Jugendlichen
-häufg finden sich in solchen Projekten bereits typische Rollendarstellungen von Jungen/Männern und Mädchen/Frauen, die es in dieser Arbeit zu reflektieren gilt                    -besonders in der Pubertät kann evtl. „Fotoscheu“ auftreten
– evtl. sind Perfektionismus und Ergebnisorientierung zu beachten, die man durch experimentelle Arbeitsweise und entspannte Atmosphäre auflockern kann

Senioren:

-Fotografie als Erinnerungsmedium                                                                                                           -Auseinandersetzung mit früherem und aktuellem Selbstbild                                                         -Fotografie als Orientierungshilfe                                                                                                       -nach Ausscheiden aus Beruf evtl. erneute Selbstfindungsphase/ neuer Lebensabschnitt mit neuen Rollen (Rentnerin, Oma, etc.), aber auch mit neuen Ansprüchen an sich selbst

Material:

Digitalkamera, verschiedene Verkleidungsgegenstände, evtl. Schminke Werkzeug: Kamera, Kleidung, Hüte, Schminke etc.

Methode:

Einzel- oder Partnerarbeit, evtl. auch in kleiner Gruppe

© Marie Dellemann (2016)

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