Gender Grundlagen: Heteronormativität

Obwohl Butler beschreibt, dass gender, als fortlaufende Praxis offen für Bedeutungsverschiebungen wäre, betont sie dennoch, dass der Diskurs ein vielfältiges Begehren kanalisiere und auf die Heterosexualität als Norm festlege. Sie arbeitet daher an einer kulturellen Sichtbarmachung von verdrängtem oder unterdrücktem homosexuellen Begehren und kritisiert die vorherrschende „Zwangsheterosexualität“ oder den heteronormativen Zwang. In diesem Zusammenhang werde die gender coherence funktionalisiert, um die Heterosexualität als Norm zu stabilisieren. Abweichende Begehrensformen werden in einem solchen Diskurs als unnormal angesehen und in unterschiedlicher Art und Weise abgelehnt oder bestraft. Schon Foucault arbeitete in seiner Studie „Sexualität und Wahrheit“ an einer Historisierung des Sexualitätsbegriffs15. Die Unterscheidung zwischen den Kategorien „normal“ und „pervers“ sollen hier als konstruiert und zeitlich und kulturell variabel dargelegt werden. Foucault behauptet hier, dass Sexualität kein naturhafter Trieb, sondern vielmehr eine Technologie des Selbst sei, die mit politischen und gesellschaftlichen Reglements verknüpft sei16. Das Selbst reglementiere sich demnach selbst und stets im Sinne des hegemonialen Diskurses. In diesem Sinne würde das Subjekt die Heterosexualität in erster Linie deshalb leben, weil es so diskursiv als Norm postuliert werde. Die Sexualität werde, nach Foucault, wissenschaftlich und institutionell reglementiert, wodurch auch das Selbst stets mit Machtstrukturen verbunden sei. Mit dem Begriff der Biopolitik beschreibt er, dass die Körper der Bürger, in der Moderne, den staatlichen Eingriffen ausgesetzt seien, die das physische Leben dieses Körpers regeln, wie zum Beispiel die Gesundheit, die Sexualität und die Fortpflanzung.

„Macht ist immer schon da, wo das Begehren ist: es in einer nachträglich wirkenden Repression zu suchen ist daher ebenso illusionär, wie die Suche nach einem Begehren außerhalb der Macht.“
Vgl. Schößler, 2008. S.45
15 Vgl. Schößler, 2008, S.107ff.